Mails, vom Chatten oder von Teambe- sprechungen, Mitarbeitertagungen oder einem informellen Pausenplausch reden. Es bedarf einer Bestandsaufnahme in Form einer Zufriedenheitsanalyse der Beteiligten und Akteure. Ist zum Beispiel der Sender zufrieden mit den Reaktionen des Empfängers? Fühlt sich der mögliche Empfänger richtig informiert? Und was heißt in diesem Zusammenhang richtig? Was in diesem Fall richtig ist, kann in einem anderen Fall zu viel oder auch zu wenig an Information sein. In der Zusammenfassung heißt das: Kommunikation verbessern heißt, sich Zeit zu nehmen – Zeit für Feedback, Zeit füreinander. Wie reagieren Führungskräfte auf Ihre Empfehlungen? Vor allem, wenn es daran geht, etwas zu ändern? In der Regel sind es die Führungskräfte, die auf uns zukommen. Im gemeinsamen Arbeiten wird dann häufig klar, dass wir in der Kommunikation von einem magi- schen Dreieck sprechen können: Es gibt den Sender, den Empfänger und es gibt den Inhalt, die Sache an sich. Sehr häufig gehen unsere Auftraggeber davon aus, dass sich der andere (egal, ob Sender oder Empfänger) ändern muss. Doch Kommunikation kann sich nur än- dern, wenn sich beide darauf einlassen. Jeder sollte sein Senden genauso hinter- fragen und reflektieren wollen wie das Empfangen, also das Zuhören, das Lesen – beides unterliegt der kritischen Reflektion. Es ist – egal für wen – nicht immer schön, zu erkennen, dass der Kommunikationswandel nur gemeinsam gelingen kann. Wer hat denn mehr Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer verbesserten Kom- munikation: eher die Führungskräfte oder doch die Beschäftigten? Oh, diese Frage wird uns sehr häufig gestellt. Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Das hängt von mehreren Faktoren ab: Zum einen davon, wie der Einzelne es gewohnt ist, das eigene Verhalten zu reflektieren, mit Feedback durch andere umzugehen. Zum anderen vom individuellen Leidensdruck, bei- spielsweise vom gefühlten Missverstan- denwerden. Daher sind es vielmehr die alltäglichen Kommunikationssituationen „Kommunikation ist unver- zichtbar für das Gelingen der Arbeit, für die Gestaltung des Wandels, für die Bewältigung der zukünftigen Aufgaben.“ Bettina Ritter-Mamczek 1 | 2019 UVB.dialog Titelthema und Rollenzuschreibungen, die Auslöser von Missverständnissen und Schwierig- keiten in der Kommunikation sind, als die Rollen selbst. Können Sie in Ihrer Arbeit Unterschiede bei Unternehmen aus der freien Wirt- schaft und dem öffentlichen Sektor fest- stellen? Dies wird häufig angenommen, doch in unserer Arbeit – also in Workshops, bei Einzeltrainings und in Teamevents – merken wir immer wieder, dass Menschen Menschen sind und daher in der Kommu- nikation und bei Begegnungen miteinan- der in sehr ähnliche Gewohnheiten und Muster verfallen. Es menschelt eben, egal, ob Sie bei einem Industrieunternehmen, einem Dienstleistungsanbieter oder im öffentlichen Sektor unterwegs sind. In Ihrer täglichen Arbeit geht es ums Lernen. Sind Sie der Meinung, dass es möglich ist, Kommunikation neu zu ler- nen? Oder ist es irgendwann zu spät? Wir lernen – wir kommunizieren – ein Leben lang! Das ist also wie lebens- länglich, daher ist es zum Neulernen nie zu spät. Nur leider ist es kein wirkli- ches Neulernen, sondern ein Umlernen, denn wir kommunizieren von Kindes- beinen an. Aus der Lernforschung wissen wir, dass Umlernen viel schwerer ist als Neu- lernen. Also Altbekanntes abzulegen und lieb gewonnene Gewohnheiten zu verän- dern, bedarf viel mehr Geduld, Durchhal- tevermögen und Energie als Neulernen! Entsprechend verlangt das Umlernen viel begleitendes Lob, positives Feedback und vor allem auch Geduld, Frustrationstole- ranz und Zeit – also einen sehr langen Atem. Umgekehrt geht die Forderung nicht erst seit heute an Schulen, Ausbildungs- betriebe und Bildungsstätten, mehr Zeit in Kommunikation zu investieren und so früh wie möglich eine Feedbackkultur einzuführen und zu leben. Somit könn- ten das Reflektieren und Hinterfragen der Kommunikation zur Gewohnheit werden – vergleichbar mit dem guten Zähneputzen – und müsste nicht mehr mühsam erst im Erwachsenenalter trainiert und umgelernt werden. 9 n i l r e B H b m G n e f a r g o t o ff o H e i D o t o F